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Im Harz gab es viele alte Bräuche im Hirtenleben, von denen heute nur noch wenige existieren. Viele der Bräuche waren mit dem ersten Austrieb der Herde im Mai verknüpft. Diese war für den ganzen Ort ein großes Ereignis. Man zog früh mit den Hirten und den geschmückten Tieren hinaus zur Weide, auf der dann festliches Treiben herrschte. Dort blieb man den ganzen Tag über.

Bräuche im Vorharz und Braunlage
In Schadeleben im Vorharz gab es am Pfingstmontag einen feierlichen Umzug nach dem Mittagessen. Wenn das Hirtensignal ertönte, versammelten sich alle mit ihren Tieren am Ortsrand und zogen zur "Pfingstwiese", erst die Pferde, dann Kühe, Schafe, Ziegen und zuletzt die Gänse. Dort ließ man die Tiere bis zum Abend weiden. Pferde, der Gemeindebulle, ein Schaf, eine Ziege und eine Gans bekamen ein mit Bändern geschmückten Kranz umgehängt. Knechten und Hirten machte man ein kleines Geschenk. Der Bauer, dem der Bulle gehörte, schenkte dem Kuhhirten ein Halstuch und ein Stück Kuchen.
In Braunlage bekamen die Kuhhirten ein Taschentuch geschenkt. Das wurde dann an ihrem Hut befestigt.

Kuhglocken
Bei ihrem ersten Austrieb waren die Kühe noch sehr aufgeregt und übermütig nach dem langen Aufenthalt im Stall, sodass man ihnen noch keine Glocken (eigentlich sind es Schellen, wurden im Harz aber immer Glocken genannt) ummachen konnte, da sie diese beim Toben beschädigt hätten. Diese Glocken wurden hauptsächlich in Suderode im Ostharz von der Familie Kleemann bis 1898 gefertigt, dann übernahm Wilhelm Liesenberg die Glockenschmiede und arbeitete dort bis kurz nach 1945. Auch in anderen Harzorten wurden vereinzelt Kuhglocken hergestellt. Heute werden in Wildemann wieder nach alten Vorlagen und Maßen Glocken geschmiedet. - Dieses Herdengeläute war Eigentum der Kuhhirten, die dafür von den Viehhaltern eine Leihgebühr bekamen. - Die Kühe wurden später von den Feriengästen wegen ihres musikalischen Geläutes scherzhaft die "Damenkapellen des Oberharzes" genannt. Die hölzernen Bügel, an denen die Glocken befestigt waren, schnitzten die Hirten selber, meistens im Winter.

Die Hirtensignale
Morgens, wenn der Hirte das Signal blies, wurden die Tiere aus den Ställen gelassen, ordneten sich in die Herde ein und zogen zur Weide [ Lautsprecher-Symbol ]. Beim Rücktrieb am Abend wurde wieder ein Signal geblasen, und die Tierbesitzer öffneten ihre Stalltüren; jedes Tier ging dann von alleine aus der Herde in den eigenen Stall. - Fast jeder Ort hatte sein eigenes Hirtensignal. Es gab das Aus- und das Rücktriebssignal.

Bräuche in der Jahreszeit
Es war Brauch, dass die Kuhhirten am Heiligabend durch den Ort zogen und ihr Signal ertönen ließen. Dafür erhielten sie dann kleine Geschenke: Wurst, Speck, Eier, Butter oder auch kleine Geldgeschenke. Dasselbe fand zu Neujahr statt.

Früher fand im Spätherbst, wenn die Weidezeit beendet war, der "Kuhball" statt. Heutzutage wird er im Frühjahr gefeiert, so zum Beispiel in Tanne im Ostharz. - Viehaustrieb ist jetzt am Pfingstsonntag in Wildemann, in anderen Orten im Harz an verschiedenen Tagen.

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Hirtentreffen in Wildemann
Hirtentreffen in Wildemann

Kuhhirt Bruno Arend, Lerbach
"Dem Brauchtum verbunden.."
Kuhhirt Bruno Arend, Lerbach

Kuhhirt aus Seesen
Kuhhirt aus Seesen

Kuhhirt Theo Weinhardt, Sankt Andreasberg
ehemaliger Kuhhirt Theo Weinhardt,
Sankt Andreasberg