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Nach dem Tod seines
Vorgängers Emil Koch übernahm
Emil Knape im Sommer 1954 dessen Hund und Trompete und trieb fortan
die Stolberger Kuhherde durch den Ort. Emil Knape wurde 1920 in Magdeburg-Neustadt geboren, wo sein Vater gerade als Mühlenbauer arbeitete. Aufgewachsen ist er allerdings in der Torgauer Gegend. Dort erlernte er das Fleischerhandwerk. Als Geselle kam er nach Leipzig und lernte seine spätere Frau kennen, die aus Stolberg stammte. Die beiden heirateten, und nach dem Krieg kam Emil Knape für immer in den Harz. Er legte die Meisterprüfung für das Fleischerhandwerk ab, erkrankte aber immer wieder schwer. In Phasen, in denen es ihm besser ging, versuchte er sich in unterschiedlichsten Bereichen, arbeitete bei einem Tischler und zu Beginn der fünfziger Jahre als Bürgermeister der kleinen Gemeinde Rosperwenda bei Rossla. Als der langjährige Kuhhirte Emil Koch im Frühsommer 1954
verstarb und die Stolberqer Kuhhalter dringend einen neuen Hirten suchten,
bedurfte es für Emil Knape nur einer kurzen Bedenkzeit. Mit Tieren
kannte er sich schließlich aus, und die Aussicht, fortan in Gottes
freier Natur arbeiten zu dürfen, kam ihm, der die Natur liebte und
oft krank war, sehr entgegen. Am 1. Juli übernahm er die Stolberger
Herde, die damals um die sechzig Tiere zählte. Und wie alles, was
er in seinem Leben anpackte, widmete er sich auch dieser Aufgabe mit
ganzer Liebe, mit Freude und großem Engagement. Ende der fünfziger Jahre gab es nur noch wenige Kuhhalter in dem mittelalterlichen Städtchen. So war es sinnvoll, sich nach einer anderen Arbeit umzusehen. Im Herbst 1959 trieb er die stark dezimierte Herde ein letztes Mal durch den Ort und nahm eine andere Tätigkeit auf. Aber die Sehnsucht nach der Natur und den Kühen meldete sich in ihm wieder. Als die LPG "Harzerland" in Breitenstein auf dem Hainfeld bei Stolberg eine große Herde aufbaute und ein erfahrener Hirte für den Waldaustrieb gesucht wurde, sagte er zu. Vom 1. Mai 1961 arbeitete er wieder als Hirte einer gut einhundertköpfigen Herde, die nun aber keine Rotviehherde mehr war. Die an einer Hand abzuzählenden letzten Stolberger Rotbraunen (die bis dahin der alte Fritz Hoppe tageweise betreut hatte) nahm er nun jeden Tag mit hinauf aufs Hainfeld, wodurch sie immer einige Kilometer mehr zu laufen hatten als die genossenschaftlich registrierten Vierbeiner .
Im November des Folgejahres endete auch diese Tätigkeit. Emil Knape war danach über zwanzig Jahre im Kinderkurheim "Erik Perwe" in Stolberg als Hausmeister tätig. Seine Hirtentracht überließ er dem Museum, die letzten Glocken, hängte er in seiner Toreinfahrt unters Dach; und wenn später, als er längst in Rente war, die Stadtführerin durch die Hintergasse kam und bei ihm klingelte, dann öffnete er gern das Tor und erzählte den Ortsfremden von diesen schönen und vergangenen Zeiten und von der Bedeutung der Harzkuh für den "kleinen Mann" im Tal. Die Aktivitäten im Verein zur Erhaltung der Harzkuh und der Harzziege e.V. hat er stets mit großem Interesse und Freude begleitet. Am 15. April 2004 verstarb mit Emil Knape, der letzte Kuhhirte von Stolberg. Dass fünf Harzer Hirten - alle Vereinsmitglieder und zum Teil selbst Züchter - bei seinem Begräbnis die Ehrenwache hielten und an seinem Grab das Austriebssignal geblasen wurde, dürfte sich allen, die es erleben durften, als etwas Unwiederholbares tief eingeprägt haben. Text: Wolfgang Knape, Leipzig |
Arend Bruno
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